Wo Deutschland wächst – und wo die Bevölkerung zurückgeht
Bayern hat seit 1990 um 16 Prozent zugelegt, Sachsen-Anhalt ein Viertel seiner Einwohner verloren. Die Ursachen und Folgen der ungleichen Entwicklung.

Zwischen 1990 und 2024 hat sich die Bevölkerung der Bundesländer sehr unterschiedlich entwickelt. Nach Berechnungen auf Grundlage des Statistischen Bundesamts wuchs Bayern um 16 Prozent, Baden-Württemberg um 14 Prozent, Hamburg und Schleswig-Holstein um jeweils 13 Prozent. Sachsen-Anhalt verlor im selben Zeitraum 26 Prozent seiner Einwohner, Thüringen 20 und Mecklenburg-Vorpommern 18 Prozent.
Die Gewinner: Wirtschaftsstarke Länder und der Norden
Wachstum findet vor allem dort statt, wo Arbeitsplätze entstehen: in den südddeutschen Industrieländern und in den Metropolregionen. Auch Schleswig-Holstein profitiert – als Umland Hamburgs und als Wohnraum für Menschen, die aus den teuren Städten an die Küste ziehen.
Die Verlierer: Ostdeutschland und das Saarland
Nach der Wiedervereinigung verließen Hunderttausende die neuen Länder in Richtung Westen – vor allem junge, gut ausgebildete Frauen, wie die Bundeszentrale für politische Bildung in ihren Analysen zur Binnenwanderung zeigt. Gleichzeitig blieben die Geburtenzahlen niedrig. Auch das Saarland (−6 Prozent) schrumpft, geprägt vom Niedergang von Bergbau und Stahl.
Städte wachsen auch im Osten
Der Rückgang trifft nicht alle Orte gleich: Leipzig, Dresden, Erfurt und Potsdam gehören zu den wachsenden Städten Deutschlands. Sie ziehen junge Menschen aus dem eigenen Umland an – was den Schrumpfungsprozess im ländlichen Raum zusätzlich beschleunigt. Stadt und Land entwickeln sich auch innerhalb eines Landes auseinander.
Die Folgen des Alterns
Wo Jüngere wegziehen, bleibt eine ältere Bevölkerung zurück. Das Durchschnittsalter lag Ende 2024 in Sachsen-Anhalt bei 48,3 Jahren, in Hamburg dagegen bei 42,2 (Statistisches Bundesamt). Für schrumpfende Regionen bedeutet das: weniger Erwerbstätige, höhere Ausgaben für Pflege und Gesundheit und wachsender Druck auf Infrastruktur wie Schulen und Buslinien.
Einordnung
Die Werte für 1990 und 2024 beruhen auf unterschiedlichen Zensus-Grundlagen und sind daher nur eingeschränkt vergleichbar – die Größenordnungen der Entwicklung sind davon aber nicht betroffen. Prognosen, wie es weitergeht, sind mit Unsicherheit behaftet: Zuwanderung aus dem Ausland hat die Bevölkerungszahl Deutschlands zuletzt insgesamt stabilisiert, ohne die regionalen Unterschiede zu nivellieren.